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Haseney Peter Originalbesitz Peter Haseney Schillerstrasse 0001

Briefmarkenfreunde aus aller Welt und natürlich die Zella-Mehliser ehren noch heute Peter Haseney, den aus Mehlis stammenden Schöpfer der ersten deutschen Briefmarke, der „Schwarzen Einser“. Sie wurde ab 1. November 1849 - heute vor 170 Jahren - im Königreich Bayern ausgegeben. Ihm gelang mit Talent, Glück und Fleiß ein außergewöhnlicher Aufstieg bis hin zum technischen Leiter der Druckerei der Bayerischen Hypothek- und Wechselbank in München.

Die wichtigste Quelle zum Leben Haseneys ist seine kurze Autobiographie „Kurze Nachrichten und lange Schilderungen über die Familie Haseney.“ Diese ist jedoch wohl hauptsächlich aus der Erinnerung geschrieben, denn die am Anfang stehende kurze Familiengeschichte väterlicherseits enthält bei quellenkundlicher Überprüfung Fehler und ist lückenhaft. Die mütterliche Verwandtschaft beschreibt er gar nicht. Es wird nicht deutlich, aus welchem Milieu Peter Haseney stammte.

Archivrecherchen zeigen, dass die Frühzeit der Haseneys in Mehlis geprägt war von harter Arbeit und ärmlichen Verhältnissen. Für mittellose Zugezogene wie Peters Großvater, den Kettenschmied und Köhlersohn Caspar Haseney aus Steinbach-Hallenberg (1747 Steinbach-1793 Mehlis) (laut Autobiographie Valentin = Fehler) bot das Leben in der dörflichen Enge seinerzeit kaum Aufstiegschancen. Er heiratete erstmals 1773 in Mehlis und nach dem frühen Tod der Ehefrau 1779 in zweiter Ehe Christina Barbara Schmidt (1760-1818), Tochter des zugezogenen Mühlenpächters und Gemeindedieners Joh. Balthasar Schmidt aus Rodach. Die Haseneys wurden zwischen Kuhstirn und Kaffenberg heimisch, einem wachsenden Ortsteil der ärmeren Bevölkerung. Die allgemeine Sterblichkeit war seinerzeit hoch. Gründe waren Armut, schlechte Wohn- und Arbeitsverhältnisse, mangelhafte Ernährung und eingeschleppte Seuchen, z.B. durch Krieg. Von den neun Kindern der Haseneys erreichten drei das Heiratsalter und gründeten Familien, Johann Valentin (1776-1814), Marie Barbara (1780-1806) und Johannes (1783-1846), dem späteren Vater Peter Haseneys.

Büchsenmachermeister Johannes Haseney muss eine charakterstarke Persönlichkeit gewesen sein. Sein Sohn schreibt von seiner Soldaten-Manier, von der ihm immer etwas anhing. Weiterhin klingen fleißige, rechtschaffene und strenge Wesenszüge an. Mit dem Verdienst aus seiner Metallwerkstatt hielt er die Familie trotz schwierigster Zeiten über Wasser. Später war er nebenberuflich Sergeant der Amtsfolge (= Ortspolizei) und einer der vier Armenpfleger von Mehlis.

Über seine Mutter Anna Maria (1777-1847) schreibt Peter: „eine arme aber arbeitssame […] Tochter eines verstorbenen Feilenhauers“. Deren Eltern waren gewesen der zugewanderte Feilenhauer Andreas Schlegelmilch (1742 Suhl-1796 Mehlis) und Anna Margarethe geb. Bader (1749-1811). Von ihren acht Kindern erreichten sechs das Heiratsalter. Agnese (1773-1844), Anna Maria (1777-1847, Peters Mutter), Wolfgang (1782-1818), Anna Catharina (1785-?) gründeten Familien, Anna Dorothea (1775-1798) und Peter (1777-1817) verstarben jung ledig. Ist hier eine Namensverbindung zwischen unserem Graveur und Onkel Peter Schlegelmilch, dem Zwillingsbruder der Mutter, zu suchen?

Der Büchsenmacher Johannes Haseney und Anna Maria Schlegelmilch heirateten 1811 in Mehlis. Als Peter am 27.11.1812 geboren wurde, lebten folgende nächste Verwandte, von welchen allerdings im Laufe seiner Kindheit über die Hälfte der Erwachsenen verstarb:

Väterlicherseits:

  1. Großmutter Christina Barbara Haseney- + 1818,
  2. Onkel Valentin Haseney, Kettenschmied mit Frau und 6 Kindern – + Valentin 1814 Nervenfieberepidemie, + 1815 erfroren im tiefen Winter auf der Zellaer Leube Witwe Anna Barbara geb. Recknagel und der 12-jährige Sohn Wolfgang Ernst, + dreijähriges Kind 1813, +  Tochter 1818 mit 14 Jahren, 3 Waisen überlebten,
  1. Cousine und Cousin Anna Barbara und Johannes (Hans) Bader - Waisen von Tante Marie (1780-1806) und Schlosser Valentin Bader (1775-1808).

Verwandte mütterlicherseits:

1. Tante und Maurerswitwe Agnese Hoffmann, geb. Schlegelmilch mit 4 Kindern,

2. der ledige Onkel Peter Schlegelmilch - + 1817,

3. Onkel Wolfgang Schlegelmilch, Feilenhauer mit Frau und 4 Kindern, + Wolfgang 1818 Nervenfieber, Witwe Marie Dorothea geb. Ansorg 2. Ehe Justus Jäger um 1825,

4. Tante Anna Catharina (1785-nach 1850), frisch verheiratet als 2. Ehefrau von Kettenschmied Conrad Büchel (1758 Aspach bei Gotha-1823 ca. Gotha), später 4 Kinder von denen 3 starben, + Conrad ca. 1823 in Gotha, 1 Tochter später Ehe in Mehlis.

Die vielen, teils frühen Todesfälle verhinderten ein starkes, familiäres Netzwerk. Peter Haseneys Eltern waren die einzigen von ihren Geschwistern, die als Paar zusammen alt wurden. Väterlicherseits wuchs Peter mit fünf verwaisten, armen Cousinen und Cousins auf. Mütterlicherseits existierten oder bildeten sich die armen Witwenfamilien Hofmann, Büchel und zeitweilig Schlegelmilch. Die gesamte nähere Verwandtschaft dürfte also in seinen Kinder- und Jugendtagen zeitweise sehr arm gewesen sein und am Existenzminimum gelebt haben. Je elternloser ein Kind war, desto härter gestaltete sich sein weiterer Lebensweg.

Von diesen vielen lebenden Verwandten erwähnt Peter Haseney in seiner Lebensgeschichte nur die Großmutter, die kleinen Doppelwaisen bzw. „Johannes und eine Tochter, deren Namen ich nicht weiß“ und „den kleinen Wolfgang“. Es waren dies Johannes (Hans) und Johanna Barbara Bader, Kinder seiner verstorbenen Tante Marie, und der Waise Wolfgang Friedrich Haseney des verstorbenen Onkels Valentin. Erstere zwei kamen 1806 laut Autobiographie (oder 1808 nach dem Tod des Vaters?) zu Johannes Haseney in Pflege. Mit ihnen und seiner 1816 geborenen Schwester Friedericke muss Peter zu Hause aufgewachsen sein.

Barbara (1802-? Baltimore) wurde um 1823 mit dem benachbarten, älteren, armen Korbmacher Valentin Weisheit (1789-1845) in zweiter Ehe verheiratet. 1851 wanderte sie mit einem Teil ihrer Kinder in die USA aus. „Erziehungsbruder Hans“ (1804-1843) wird mehrfach genannt. Zu ihm scheint Peter eine engere Verbindung gehabt zu haben. Er lernte und arbeitete bei Johannes Haseney, heiratete ca. 1829, starb aber jung an „Auszehrung“. Seine arme Witwe Justine Barbara geb. Anschütz (1800-? New Orleans) wanderte 1851 mit Kindern in die USA aus. Der gleichaltrige Wolfgang Friedrich Haseney (1812-1884) soll laut Autobiographie ebenfalls in Peters Familie untergekommen sein. Aktenkundig ist aber, dass er 1815-1825 von David Fleischer versorgt wurde, bevor er ins Waisenhaus kam, und nur kurz 1816 von Haseney. Später lernte, arbeitete und wohnte er einige Jahre bei ihm, zog nach der Heirat 1838 aber zu seiner Frau, der Köhlerstochter Catharina Margarethe Ziener (1815-1879). Von ihnen stammen der Gründer der Karabinerhakenfabrik Bernhard Haseney und alle heutigen Zella-Mehliser Haseneys ab.

Bemerkt wird bei Peters Schilderung vom Notjahr 1817: …Dazu war auch die Pflegetochter todtkrank und starb…“. Laut Kirchenbüchern verstarb 1818 Susanne Margarethe Haseney, 1804 geboren, eine Schwester Wolfgang Friedrichs. War sie ein drittes Pflegekind? Nirgends namentlich erwähnt, ist dies aber sehr wahrscheinlich.

Zehn Cousinen und vier Cousins erreichten in Mehlis das Heiratsalter und stellten später 13 Familien. Von ihnen wanderten allein vier aus Perspektivlosigkeit und Armut 1851-1854 in die USA aus, drei weitere Familien wurden 1857 bei der „Christbescherung der armen Kinder“ durch die Herzogin als arm eingestuft.

Die schulische Förderung Peter Haseneys durch Lehrer Ortlepp, Pfarrer Seyfarth und den Hammermeister und Schützenhauptmann Georg Anschütz, seine überdurchschnittliche Intelligenz und Wissbegierde hoben ihn sicher schon früh aus seinem Umfeld heraus. Fast schien der ungewöhnliche Aufstieg über Gymnasium und Studium für den einfachen Handwerkerspross greifbar. Doch dann platzte der Traum vorerst durch die väterliche Entscheidung, den Sohn ins Handwerk zu geben. Diese Enttäuschung und die nachfolgende Verspottung als „lateinischer Peter“ im Dorf zur Zeit der verhassten Büchsenmacherlehre ging offenbar tief. Es folgte die gewollte Graveursausbildung bei G. Friedrich Huhn (nicht Hulm wie im Druckwerk der Autobiographie). Während seiner Ausbildungszeit in Mehlis scheint er sich deprimiert und stolz von den Gleichaltrigen zurückgezogen zu haben. Nach weiterer Lehrzeit in Gotha geschah der endgültige Abschied aus Mehlis nach München am 24. April 1832 in Begleitung des Vaters, des Erziehungsbruders und einiger Verwandten und Nachbarn.  

Aus der Schilderung seines Besuchs 1835 zur Heirat seiner Schwester Friedericke in Mehlis, nun als „Student“ in München, klingen Selbststolz und Entfremdung vom Dorf durch, kein Wort über Verwandte. Danach hat er seinen Geburtsort (laut Autobiographie sah er seine Mutter zum letzten Mal) bis mindestens 1847 nicht mehr besucht, war somit auch nicht zur Beerdigung seines Vaters 1846. Die Schicksale seiner Verwandten scheinen ihn nicht interessiert zu haben. Auch geschäftliche Kontakte gab es offenbar keine.

Über seinen letzten Besuch in Mehlis 1864, um seine Schwester noch einmal zu sehen, schreibt Peter Haseney, inzwischen technischer Leiter der Druckerei der Bayerischen Hypothek- und Wechselbank: „Als unsere Ankunft bekannt geworden, kamen alle lieben Anverwandten, die ich aber nicht mehr kannte, um den „Peter“ zu sehen, der ein „Herr“ in München geworden…“. Zu dieser Zeit lebten immerhin noch sechs Cousinen und zwei Cousins mit Familien in Mehlis, z.B. „Wolffriedrich“ Haseney oder der Feilenhauer Christoph Schlegelmilch. Es scheint, dass er keinen Zugang mehr zu seinem Geburtsort fand. Er schreibt: „Alles kam mir so klein, die Menschen so versimpelt vor…“, dass er die Idee, seinen Lebensabend in Mehlis zu verbringen, fallenließ. Im Alter von 56 Jahren starb Peter Haseney am 10. April 1869 in München.

Almut Reißland
Stadtarchivarin

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